Menschenrechte im Tourismus

Der Tourismus boomt. Neue Fluggesellschaften kommen, Alte verschwinden. Das Streckennetz der Bahn wächst. Hotelketten expandieren. Neue Arbeitsplätze werden geschaffen, die zum Erhalt traditioneller Kulturen beitragen. In vielen Ländern wird Frauen der Zugang zum Arbeitsmarkt aufgrund des Tourismus ermöglicht. In ärmeren Ländern wird die Infrastruktur verbessert. All diese positiven Aspekte des Tourismus sind jene, die als erstes gesehen werden. Aber es gibt auch Schattenseiten.

Menschen werden benachteiligt, ausgebeutet und diskriminiert. Menschenrechte werden verletzt von Personen, die gar nicht aktiv am Tourismus teilhaben.

Familien werden für den Bau von Ferienanlagen von ihrem Grund und Boden verscheucht. Kinder werden sexuell missbraucht. Angestellte auf Kreuzfahrtschiffen dürfen sich nicht gewerkschaftlich organisieren und der gesetzliche vorgeschriebene Mindestlohn in Deutschland wird umgangen.

Sextourismus ist eine Nische über die kaum einer spricht. Aber er existiert. Das kann ich aus meiner Arbeit im Reisebüro bestätigen. Es gibt Personen, die immer wieder, nur zu diesem Zweck, in Regionen reisen, die für den Sextourismus berüchtigt sind. Ich möchte niemanden unterstellen, der in solche Regionen reist, auch zu diesem Zweck dorthin reist. Es gibt aber genügend Menschen, die kein Geheimnis daraus machen. Die Reisebüros hören an diesen Stellen weg. Es geht uns auch nichts an, warum jemand irgendwohin möchte. Es handelt sich hierbei aber nicht ausschließlich um volljährige Personen, die diesem Gewerbe nachgehen, sondern es sind auch oftmals Kinder die dazu gezwungen werden.

Wer Missbrauch von Kindern beobachtet oder einen Verdacht hat, kann dies auf der internationalen Meldeplattform reportchildsextourism.eu oder auf der deuten Plattform nicht-wegsehen.net melden. Natürlich ist auch die Polizei vor Ort immer ein Ansprechpartner.

Ein weiteres Problem ist die Ausbeutung von billigen Arbeitskräften. Auf den Kreuzfahrtschiffen findet man hauptsächlich Arbeitskräfte aus ärmeren Ländern. Zumindest in den Bereichen, die für den Kunden nicht sichtbar sind. Reinigungskräfte, Küchenpersonal, Arbeiter für Reparaturen.
Gewerkschaften sind aufgrund der Völkervielfalt zum Einen nicht möglich und zum Anderen von den Reedereien nicht erwünscht. Die meisten Arbeitskräfte erhalten nur Saisonverträge. Es gibt eine 7-Tage-Arbeitswoche, nur wenig Ruhepausen. Eine 12-Stunden-Schicht ist keine Seltenheit. Die Mitarbeiter dürfen sich außerhalb ihrer Schichten nicht in den Gästebereichen aufhalten. Es gibt separate Crew-Bereiche in den unteren Bereichen der Schiffe. Die Unterbringung der Besatzung erfolgt meist in Doppel- oder Mehrbett-Kabinen. Auch wenn Kost und Logis kostenfrei sind, ist die Bezahlung eher dürftig.

Trotzdem sind die Jobs auf den Kreuzfahrtschiffen sehr beliebt. Für viele Menschen ist die Bezahlung immer noch besser als in ihrem Heimatland. Mit dem Verdienst aus der Arbeit einer Saison kann oftmals die Familie ein Jahr lang ernährt werden.

Seit einigen Jahren gibt es eine Plattform zur Förderung der Menschenrechte im Tourismus. Diesem Verein gehören unter anderen „Brot für die Welt“, der Arbeitskreis „Tourismus&Entwicklung“, „TourCert“, das Forum „anders reisen“ und der „Deutsche Reiseverband“ an.

Ich persönlich finde es schade, dass bisher kaum Reiseveranstalter an dieser Plattform beteiligt sind. Es ist sicherlich keine Lösung der Probleme, aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Habt ihr Erfahrungen mit der Verletzung von Menschenrechten? Wurdet ihr damit schon konfrontiert?

 

Ein Kommentar zu „Menschenrechte im Tourismus

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