Zeit

 

Kennt ihr die Geschichte von „Momo“?

Ein kleines Mädchen, nicht besonders reich, aber mit einer besonderen Gabe: Sie kann sehr gut zuhören. Das kann sie so gut, dass plötzlich alle mit ihr reden möchten. Und jeder, der mit ihr redet, bekommt wieder große Ideen und die Freude in ihnen blüht wieder auf. Sie regt die Phantasie der Menschen an, die Kinder lernen wieder frei zu spielen. Momo versteht die Menschen und hört in sie hinein. Und hört ihnen einfach zu. Sie hat Zeit für die Menschen.

Bis eines Tages die Zeitdiebe auftauchen. Sie versuchen die Menschen dazu zu bringen, Zeit einzusparen, um sie angeblich für später zu haben. In Wahrheit werden sie jedoch um ihre Zeit betrogen und die Menschen vergessen im Jetzt zu leben und das Schöne im Leben zu genießen.

Momo spürt die Kälte, die durch das Zeitsparen entsteht und versucht den Menschen die Augen zu öffnen.

Natürlich ist dies nur eine Geschichte, die in einer Phantasiewelt spielt. Trotzdem sagt sie für mich etwas sehr wahres aus.
Unser Leben ist stets in Bewegung und immer schnell. Wie oft hört man Menschen sagen, dass die Zeit so schnell vergeht. Früher wäre das nicht so gewesen.

Aber die Zeit hat sich nicht verändert. Ein Tag hat immer noch 24 Stunden, eine Stunde besteht noch immer aus 60 Minuten. Wir haben uns verändert! Wir empfinden dies nur anders.

Früher hat man bis 18 Uhr gearbeitet (oder vielleicht sogar noch weniger, vor meiner Zeit?) und hatte den Abend mit der Familie, mit Freunden oder einfach für sich selber. Das Wochenende war frei, ebenfalls Zeit für Familie, Freunde, sich selber. Durch längere Öffnungszeiten, entsprechend längeren oder anderen Arbeitszeiten, der 40-Stunden-Woche, verringert sich die Überschneidung der freien Zeit für Freunde und Familie. Außerdem wird unser Leben immer schnelllebiger.

Im Zeitalter der Digitalisierung, dem immer erreichbar sein, vergessen wir, uns Zeit für die schönen und wichtigen Dinge im Leben zu nehmen. Wir hetzen von einem Termin zum Nächsten, checken zwischendurch noch schnell die Emails auf dem Smartphone, führen noch schnell das Ein oder Andere Telefonat oder schreiben vielleicht sogar nur eine kurze Nachricht, um ein kurzes Lebenszeichen zu senden. Gegessen wird schnell nebenbei, oder während des Essens wird noch schnell der nächste Termin bestätigt.

Dazu kommen die „fiesen Zeitdiebe“, die uns versprechen, Zeit einzusparen. Man muss nicht jemanden anrufen und darauf hoffen, dass derjenige da ist, sondern kann direkt eine Nachricht hinterlassen. Emails kann man zwischendurch checken und beantworten, immer mal wieder. Für alle viel angenehmer. Auf den ersten Blick. In Wirklichkeit raubt uns dies aber mehr Zeit, als das es uns welche schenkt.

Dazu kommen dann noch die Zeitdiebe, die uns einfach immer wieder ablenken. Einfach, weil sie Spaß machen oder, weil wir das Gefühl haben, etwas zu verpassen. Also „schnell“ Facebook, Twitter, Instagram, etc. prüfen. Vielleicht gibt es ja etwas neues?

Wir sollten endlich wieder anfangen (bewusster) zu leben und die schönen Dinge im Leben zu genießen und wahrzunehmen.

Wann wart ihr das letzte Mal mit euren Liebsten essen? Oder wann wart ihr das letzte Mal offline? Einfach mal nicht erreichbar? Wann habt ihr das letzte Mal ein Buch gelesen ohne zwischendurch mal einen Blick aufs Handy zu werfen? Wann habt ihr Freunde/Familie angerufen, ohne euch vorher zu verabreden?

Ich könnte die Liste endlos fortsetzen. Ich will nicht sagen, dass früher alles besser war. Trotzdem sollten wir anfangen nicht alles einfach geschehen zu lassen und uns auch mal die Zeit nehmen, Dinge zu tun, die uns gut tun. Dinge, die uns Spaß machen. Und vor allem sollte man die Sachen bewusst machen und nicht mal eben zwischendurch.

„Zeit hat man nicht. Zeit nimmt man sich für Dinge, die einem wichtig sind“.

4 Kommentare zu „Zeit

  1. Wahre Gedanken, die du da aussprichst. Ich tue dies leider noch zu wenig( einfach mal offline sein).
    Obwohl, Bücher lese ich sehr viel und eigentlich kann ich bei Büchern nie aufhören, weiterzukesen, weil sie so spannend sind.
    LG und einen schönen Tag dir Jona

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  2. Hallo Nicole,

    da sprichst du etwas sehr Wahres aus! Das Buch Momo steht schon länger auf meiner Leseliste. Ich finde es gar nicht schlimm, dass die Geschichte in einer Fantasiewelt spielt, denn die Moral der Geschichte ist umso realer und dafür funktioniert die Metapher der Grauen Herren hervorragend.

    Ich würde diesen Artikel gern an passender Stelle bei meinem neuen Format Tacheles verlinken, wenn dich das nicht stört. 🙂

    Lieber Gruß,
    Philipp

    Gefällt 1 Person

  3. Mir ist das heutzutage auch alles zu schnelllebig. Dass uns die Digitalisierung und ständige Erreichbarkeit nicht nur gut tut, sieht man bspw. daran, dass immer mehr an Burnout erkranken. Deshalb mal ganz bewusst abschalten, die Natur genießen oder Zeit mit Freunden und Familie verbringen. Ich stimme dir da voll und ganz zu.

    VG Kerstin

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