Immer wieder hört und liest man, dass die Digitalisierung voranschreiten muss; dass Deutschland noch sehr zurück hängt in Bezug auf die Digitalisierung; dass Digitalisierung unsere Zukunft ist.

Aber was ist Digitalisierung überhaupt?

Unter Digitalisierung versteht man, kurz gesagt, die Umwandlung analoger Daten in digitale Daten. Die wichtigsten Punkte sind wohl
– Umwandlung von analogen Informationen in digitale Informationen (z.B. Papierdokumente in Textdateien)
– Umwandlung von analogen Medien in digitale Medien (z.B. Kassette in MP3-Dateien)
– Umwandlung von analogen Abläufen in digitale Prozesse (z.B. Dokumentenablage in Ordner in digitales Dokumentenmanagement)
– Repräsentation von physischen Objekten in digitaler Form
(Quelle: Weclapp)

Vor- und Nachteile der Digitalisierung

 Wie die meisten Dinge im Leben, gibt es Vor- und Nachteile. Ich muss zugeben, dass ich mir gar nicht so sicher bin, ob mir das alles so sehr gefällt oder ob ich, zumindest zum Teil, auch gerne analog unterwegs bin. 

  • Fahrkarten sind fast nur noch digital erwerblich; ebenso das Deutschlandticket.
    • Pro: Fahrkarten können nicht vergessen werden; Ressourcen (Papier) werden gespart
    • Contra: was ist mit den Personen, die kein Smartphone haben, aber den Öffentlichen Personenverkehr nutzen möchten? Die DB bietet die beliebten SuperSpar- und Sparpreis ausschließlich nur noch als Online Ticket an. Eine Mailadresse und ein Smartphone sind mehr oder weniger vorausgesetzt. Natürlich kann das Online Ticket gebucht, an eine andere E-Mail versendet und dann ausgedruckt werden. Aber ist das Sinn der Sache? Für mich wirkt es eher so, als wolle man versuchen nachhaltig unterwegs zu sein und die Kosten auf die Verkaufsstellen abwälzen. Warum bietet man nicht beide Optionen an? 
  • Digitaler Kalender
    • Pro: Termine sind immer zur Hand, da das Smartphone sowieso dabei ist. Sofern es gewollt ist, können sogar andere Personen auf die Termine Zugriff haben, sodass Termine besser koordiniert werden können.
  • Online Navigation statt Straßenkarten
    • Pro: auch bei spontanem Bedarf kann schnell eine Straßenkarte zur Hilfe gezogen werden
    • Contra: oft greift man auch zu schnell zum Smartphone um einen Weg zu finden. Warum nicht einfach mal treiben lassen, oder „altmodisch“ einen Fremden nach dem Weg fragen? Analoge Straßenkarten gibt es weniger zu erwerben und viele können sie auch nicht mehr lesen. 
  • Fotos
    • Pro: Auch unerwartete Unternehmungen / Erlebnisse können als Bild festgehalten werden; man braucht nicht immer eine Kamera dabei haben und hält so auch deutlich mehr Momente im Alltag fest
    • Contra: Fotos werden viel unüberlegter gemacht. Oft wird auf ein Motiv drauf gehalten und gleich mal 10-15 Mal auf den Auslöser gedrückt. Der eigentliche Moment geht verloren, da man nur noch damit beschäftigt ist, den Moment fest zu halten. 
  • Kommunikation
    • Pro: Sämtliche Messenger erleichtern es sehr, lieb gewonnene Menschen am eigenen Leben teilhaben zu lassen. Schnell mal eine kurze Nachricht oder Foto gesendet; ein Video-Telefonat, wenn ein Treffen schwierig ist und schon hat man das Gefühl, trotzdem dabei zu sein.
    • Contra: Nachrichten werden schnell unüberlegt gesendet. Fragt ihr euch bei jeder Nachricht, ob ihr diese Info auch im analogen Leben mit der Person geteilt hättet? Die schriftliche Kommunikation – insbesondere die kurzen und unüberlegten Nachrichten aus dem Moment heraus – sind schon fast ein Garant für Missverständnisse. Warum fehlt der Emoji? Warum ist jetzt genau der Emoji da? 
      Gleichzeitig verlernen wir auch das Reden miteinander. Hierzu habe ich schon mal etwas geschrieben – Wann haben wir das Reden verlernt?
  • Meine Arbeit findet nahezu ausschließlich digital auf einem Laptop statt
    • Pro: ortsunabhängiges Arbeiten / Homeoffice ist für mich gar kein Problem. Ich habe von überall Zugriff auf sämtliche Programme und Daten.
    • Contra: Der Laptop zuhause verleitet dazu, auch in der Freizeit „mal eben kurz“ in die E-Mails zu schauen oder für Freunde / Familie / Bekannte, „mal eben schnell“ etwas dienstliches zu machen.
  • Krankenakten
    • Pro: alle behandelnden Ärzte haben die gleichen Informationen vorliegen, sodass eine optimalere Behandlung erfolgen kann. 
    • Contra: sollte das Programm ausfallen, fehlen benötigte Informationen

Insgesamt darf man nicht vergessen, dass die Digitalisierung uns auch angreifbarer macht. Bei falscher Nutzung der Programme sind die Daten schnell für jedermann zugänglich, von Hacker-Angriffen fange ich gar nicht erst an. 

Kann ein offline Leben noch funktionieren?

Philipp hatte hierzu ähnliche Gedanken wie ich und hat in seinem Beitrag „Kann Digital Detox noch funktionieren?“darüber geschrieben. 

Ich würde hier sogar noch einen Schritt weitergehen. Ich denke schon, dass es mit ausreichender Planung und Vorbereitung möglich ist, einen gewissen Zeitraum auf das Smartphone zu verzichten. Ich sehe die Schwierigkeit viel mehr in den ungeplanten Momenten.

Mein Deutschlandticket habe ich auf meinem Smartphone in einer App. Da ich das Smartphone eigentlich immer dabei habe, bin ich flexibel was die Nutzung der Öffentlichen Verkehrsmittel angeht und kann auch spontan in den nächsten Bus, Straßenbahn, etc. steigen. Was aber, wenn die App nicht funktioniert? Ja, genau den Fall hatte ich. Spät abends an der Bushaltestelle, der Bus kommt, ich will die App öffnen um das Ticket vorzulegen und was passiert? Nichts. Die App lässt sich nicht öffnen. Mehrmals versucht. Immer das Gleiche. App geht nicht auf, bzw. schließt sich sofort wieder. Die Busfahrerin war sehr nett und ich durfte so mit. Zuhause habe ich dann festgestellt, dass die App neu installiert werden musste. Aufgrund eines Updates hatte sich ein Fehler eingeschlichen, der die App nicht mehr öffnen lies. Natürlich hätte ich mir ein Ticket für den Bus kaufen können, mein Deutschlandticket nachreichen können in einer Kontrolle – aber soll ich eine Strafgebühr für etwas zahlen, das ich selber nicht zu verantworten habe? 

Ein anderes Beispiel meine Arbeit. Bei uns laufen alle Programme ausnahmslos online, inklusive der Telefonie. Wenn das Internet ausfällt, sind wir nicht erreichbar und können auch nichts bearbeiten. 

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Programme inzwischen eine 2-Faktor-Authenfizierung verlangen. Wenn also mein Smartphone versagt, kann ich einige der benötigen Programme nicht öffnen.

Fazit

Ich denke eine gesunde Kombination aus Analog und Digital ist der richtige Weg. Für viele Bereiche im Leben ist die Digitalisierung und das digitale Leben eine große Erleichterung und in bestimmten Bereichen möchte ich auch nicht unbedingt darauf verzichten.
Man sollte die analoge Welt aber nicht vergessen und gerade in wichtigen Bereichen ein analoges Backup haben. Vielleicht auch manchmal auf die analoge Variante ausweichen, einfach um ein neues und anderes Erlebnis zu haben.